15.07.2008
Abendmahl mit Bischof und Rapper - 3.000 erlebten den evangelischen Kongress Wachsende Kirche
Der Mannheimer Rapper Danny Fresh sang die Fürbitten und 1.200 Kirchengemeinderäte stimmtenein „Christus, höre uns". Beim Abendmahlsgottesdienst zum Abschluss des Kongresses „Wachsende
Kirche" am vergangenen Samstagabend kam die traditionelle Liturgie im modernen Gewand daher.
Landesbischof Frank O. July hielt die Predigt über die „selbstwachsende Saat". Insgesamt füllten
am 11. und 12. April rund 3.000 Kirchenleute das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle. Der
landeskirchliche Kongress bot einen frischen Mix aus Feier, Mitarbeiterfortbildung, Ideenbörse und
spirituellen Angeboten.
In 146 Veranstaltungen wurden Erfolgs- und Wachstumsmodelle vorgestellt. „Mut machen" wollte
der Kongress, ohne den Blick vor der Realität zu verschließen. „Die Kirche von morgen wird kleiner
und ärmer sein. Sie wird die reichen Mittel für ihre Kirchbauten, Akademien und sozialen
Einrichtungen nicht mehr haben. Das ist die Chance einer neuen Konzentration der Kirche", sagte
der Hamburger Theologe Fulbert Steffensky zum Auftakt des Kongresses. „Die Gesellschaft braucht
unsere Deutlichkeit und unsere Kenntlichkeit. Wo gibt es Institutionen, in denen Geschichten vom
Recht erzählt und Lieder von der Würde der Armen gesungen werden? Dass das Leben kostbar ist;
dass einmal alle Tränen abgewischt werden sollen; dass die Tyrannen gestürzt werden sollen und
dass das Recht wie Wasser fließen soll."
Viel Applaus erhielt die Bochumer Theologieprofessorin Isolde Karle für ihre Forderung, die Kirche
müsse sich „einen realistischeren Blick auferlegen". Die Taufquote etwa auf 100 Prozent steigern zu
wollen, sei „abseits jeglicher Realität – so etwas entmutigt und erschöpft Pfarrer nur".
Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer erinnerte an das biblische Bild vom Weinstock und den Reben:
„Wein wächst nicht in den Himmel. Wein soll nicht groß werden und ins Kraut schießen, sondern
Frucht bringen." Wie Kirche mit gesellschaftsprägender Kraft aussehen kann, erläuterte
Stadtmissionsdirektor Hans-Georg Filker aus Berlin. Direkt hinter dem Berliner Hauptbahnhof
unterhält die Berliner Stadtmission ein Zentrum, das sowohl Obdachlosen Zuflucht bietet als auch
Begegnungsmöglichkeiten für Bundestagsabgeordnete. „Wachsende Kirchen", sagte die Tübinger
Medizinerin und Theologin Beate Jakob, „sind gerade diejenigen, bei denen das Thema Heilung im
Zentrum ist". Die deutschen Kirchen könnten hier von den Ländern des Südens, aber auch von der
Anglikanischen Kirche in England lernen.
Unter dem Stichwort „Kirche in der Postmoderne" wurde auf dem Kongress die Forderung nach
einer größeren Vielfalt von Gemeindeformen laut. Die Aufteilung in Gemeindebezirke („Parochien")
allein sei nicht zukunftsweisend. Heute müsse es neben den Ortsgemeinden auch
„Netzwerkgemeinden" geben, so Privatdozent Johannes Zimmermann aus Greifswald.
Das Thema „Gottesdienst" scheint nach wie vor ganz oben auf der kirchlichen Prioritätenliste zu
stehen. Ein Seminar des Stuttgarter Prälaten Ulrich Mack, das er gemeinsam mit der
Unterweissacher Dozentin Dorothee Gabler zum Thema „Tradition und Erlebnisorientierung im
Gottesdienst" anbot, war Spitzenreiter unter den Seminarangeboten. Den „Nachteulengottesdienst"
mit Pfarrer Georg Schützler und Beate Weingardt feierten knapp 700 Kongressbesucher mit.
„Die Vertiefung des Glaubens ist entscheidend für das Wachstum der Kirche", sagt Maike Sachs, die
für das Projekt „Wachsende Kirche" freigestellte Pfarrerin. Sie hofft, dass durch die
wissenschaftliche Begleitung des Projekts Erkenntnisse gewonnen werden, „wie Erwachsene zum
Glauben kommen".
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